Chronik

Der Aufbau der Marktfeuerwehr Aurolzmünster

Wenn man in der Chronik der Marktfeuerwehr Aurolzmünster blättert, da fällt einem dabei auf, dass schon zu Urgroßväters Zeiten diese Wehr stets zur Selbsthilfe greifen mussten, wenn es darum ging, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Eigeninitiative und restlose Opfer- und Einsatzbereitschaft sind seit der Gründung im Jahre 1874 bis heute ein Merkmal der Markfeuerwehr geblieben. Die Kassiere der Wehr waren dafür bekannt, dass sie förmlich auf dem Geld saßen und jeder Heller einige Male umgedreht wurde, ehe man sich entschließen konnte, ihn auszugeben. Das ist bis heute so geblieben und wie die Dinge aussehen, wird sich daran auch in Zukunft nichts änderen. Waren es früher Weihnachtsfeiern, Theateraufführungen, Bälle und Maibaumfeste, durch welche die nötigen finanziellen Mittel herangeschafft wurden, um die Ausrüstung stets auf den neuesten Stand zu bringen, so hat man in den letzten Jahren neue Wege beschritten, um denselben Zweck zu erreichen. Den größten Beitrag zur Beschaffung von Geräten leistete aber neben der Gemeinde immer noch die spendenfreudige Bevölkerung, welche stets ein offenes Ohr und eine offene Hand für die Belange ihrer Feuerwehr hat. Die Kameraden der Feuerwehr wissen das und sie sind stets bemüht, durch ihren Einsatz und ihre Hilfe einen Teil der Schuld wieder gut zu machen! Viel Mut und Opferbereitschaft gehört dazu, in den Entwicklungsjahren der Feuerwehr mit den dort noch sehr unzugänliche Mitteln einen Brand zu bekämpfen. Welch große Freude herrschte unter den Feuerwehrmännern, als unter dem damaligen Kommandanten Kornbointner eine Feuerspritze mit Handbetrieb erworben wurde. Kraft und Ausdauer wurden von jenen Männern verlangt, welche diese Spritze bedienten. Im Galopp wurde dieses neue Löschgerät von Pferden zum Einsatzort gebracht. Nicht selten passierte dabei ein Unfall. Der Einsatz mit diesem Löschgerät war manchmal gefährlicher als der Einsatz mit den heutigen, modernen Löschfahrzeugen. Unter Kommandant Hörmandinger wurde die erste Motorspritze angekauft und man glaubte damals, die technische Entwicklung sei auf dem absoluten Höhepunkt angelangt. Mit noch mehr Eifer und Ausdauer waren die Kameraden fortan bei der Sache.

Die Wirrnisse des zweiten Weltkrieges haben viel Unheil gestiftet und so mancher tapferer Feuerwehrmann kehrte nicht mehr in die Heimat zurück. Als man im Jahre 1946 begann, aus den Trümmern des zweiten Weltkriegs ein neues Österreich aufzubauen, beauftragte der damalige Bürgermeister Schrattenecker den Kameraden Georg Haginger, Boar in Lauterbrunn, mit dem Wiederaufbau der Marktfeuerwehr Aurolzmünster. Kommandant Haginger versammelte die wenigen noch verbliebenen Männer um sich und begann mit ihnen die Markfeuerwehr wieder zu errichten. Es war eine harte Zeit und ein schwieriges Unterfangen. Hatte man einerseits nicht die nötige Ausrüstung, so stand man andererseits der Abgestumpftheit der Bevölkerung gegenüber, welche mit den eigenen Problemen genug zu schaffen hatte. Der Slogan: "Nie wieder eine Uniform", hatte sich unter den Männern des ganzen Landes eingebürgert und es war schwer für Georg Haginger, diese Einstellung in der Zivilbevölkerung zu überwinden und die Männer zu überzeugen, dass der braune Waffenrock des Feuerwehrmannes eine Uniform des Friedens und der Hilfsberitschaft sei. Zögernd versammelten sich nach und nach mehr Männer um Kommandant Haginger, welchen man ohne Übertreibung als einen Markstein in der Geschichte unserer Wehr bezeichnen darf. Als es dann noch gelang einen ehemaligen "Afrikawagen" für die Zwecke der Feuerwehr zu erwerben, war der Aufstieg endgültig vollzogen. Der Bann war gebrochen und der alte Geist der Kameradschaft zog in die Wehr ein. Unter Kommandant Hehenberger wurde eine neue Fahne angeschafft und mit dem Fest der Fahnenweihe wurde auch das finazielle Problem gelöst. Hier möchte ich nicht versäumen, unserer Fahnenmutter, Frau Marianne Fellner sowie den beiden Fahnenpatinnen Frau Anna Minihuber und Frau Maria Tiefenthaler für ihr stetes Verständnis zu danken.

Als dann mit Kommandant Ing. Karl Hörmandinger junge Kräfte in das Kommando einzogen und man die richtige Mischung zwischen jung und alt gefunden hatte, schien ein Aufstieg beschlossen, der die Marktfeuerwehr Aurolzmünster an die Spitze des Bezirkes geführt hat. Aber es ging noch weiter! Es wurden Wettbewerbe bestritten und Schulungen abgehalten oder besucht. Unter Kommandant Wagenleitner wurde das erste und zugleich erfolgreichste Oktoberfest in den Räumen des Atillakellers abgehalten. Viele Hände waren täglich, oft sogar bis Mitternacht, an der Arbeit, um die vielen Vorbereitungen unter Dach und Fach zu bringen. Als dann das Fest stattfand und sich zu einer rauschenden Woge fröhlichen Treibens entwickelte, war all die Arbeit vergessen und der Stolz über den Erfolg stand allen Kameraden im Gesicht geschrieben. Mit dem Erlös des Festes wurden neue Uniformhemden, Schutzanzüge, Stiefel und Helme angekauft. 1966 führte eine Idee von Kommandant-Stellvertreter Rohringer zur erfolgreichsten Veranstaltung in der Geschichte der Marktfeuerwehr Aurolzmünster. Unter schwierigsten Umständen, einer Unmenge Kleinarbeit und einem nicht geringen Risiko veranstaltete die Marktfeuerwehr ein Motocross, dessen Erfolg unserer Wehr neue Wege öffnete. Hierbei darf bemerkt werden, dass durch diese Veranstaltung der Motorsport im Innviertel neu Impulse erhielt und sich dahingehend eine rasche Entwicklung anbahnte. Auch in den folgenden Jahren veranstaltete unsere Wehr noch zwei Motocross, welche aber, bedingt durch eine Reihe gleicher Veranstaltungen in der ganzen Umgebung sowie durch die bestehenden Gesetze und Verordnung, schwer durchführbar wurden und daher nicht mehr ganz den Erfolg der ersten Veranstaltung ereichten. Trotz der Schwierigkeiten aber konnten ein Löschauto mit Vorbaupumpe angekauft werden, welches die runde Summe von 100.000 Schilling kostete und fast zur Gänze aus der Feuerwehrkasse bezahlt wurde.

1970 wurden dann die ersten Pläne für ein neues Zeughaus geschmiedet, dessen Bau realisiert und 1975 bezogen wurde. Da man auf Grund der Vielfalt der Einsätze mit dem vorhandenen Löschfahrzeug das Auslangen nicht mehr fand, wurden Überlegungen über den Ankauf eines Tank- und Kommandowagens angestellt. 1974 konnte das Kommandofahrzeug und 1977 das Tanklöschfahrzeug angeschafft werden. Sehr bald erwies sich, wie sinnvoll diese Investitionen waren. Das Kommandofahrzeug (S 81.100.-) wurde zur Gänze incl. Ausrüstung und das TLF mit einer Summe von S 120.000.- das LFB mit 105.000.- aus der Feuerwehrkasse finaziert. Diese hohe Belastung konnte nur auf Grund des unbeugsamen Willens der Kameraden, immer wieder Bälle und Feste (Kellerfeste, Oktober,- und Maibaumfeste, Tag der offenen Tür, etc.) zu veranstalten, bewältigt werden.

Dazu kam noch, dass von vielen Männern Kurse und Schulungen gemacht wurden, um den technischen Anforderungen der Einsätze und Gerätschaften gerecht zu werden, was wiederum in selbstloser Weise den Verzicht auf Freizeit bedeutete.

Einzigartig, aber leider nur einmal, konnte 1978 in den Räumlichkeiten des Schloßes Aurolzmünster ein Schloßfest abgehalten werden. Verhandlungen mit der damilgen Schloßbesitzerin Frau Helga Vlassak und mit den Behörden haben Tür und Tor für dieses Vorhaben geöffnet. Monatelange Pionierarbeit der Kameraden haben dieses verwirklicht und zu einem großartigen Erfolg geführt. Und mit dem Erlös dieses und den darauffolgenden Zeltfesten und Veranstaltungen konnten wiederum Einsatzgeräte und -ausrüstungen angeschafft werden.

In der Fahrzeughalle der Marktfeuerwehr stehen heute neben dem Kommandofahrzeug, dem Tankwangen und dem Löschfahrzeug weiters ein Rüstfahrzeug, welches vom Landes-Katastrophenhilfsdienst mit der entsprechenden Ausrüstung für Notstromversorgung als Stützpunkt für den Bezirk Ried nach Aurolzmünster verlagert wurde. Auch sätliche Geräte für den Strahlenschutz des Bezirkes Ried sind als Stützpunkt bei der Marktgeuerwehr stationiert. Die Marktfeuerwehr besitzt weiters 1 Hochdruckpumpe, 1 Tragkrafsprite, Schaumlöschgeräte, 5 schwere Atemschutzgeräte mit Reserveflaschen, 2 Notstromgeneratoren mit Beleuchtungsgeräten, 2 Tauchpumpen, 1 Motorsäge, 1 Trennschleifer, 3 Schiebeleitern, Hitze- und Säureschutzanüge, 4 mobile Funkgeräte, 2 Handfunkgeräte (2-m Band) und 2 Handfunkgeräte (11-m Band) nur um die wichtigsten Einsatzgeräte zu nennen. Besonders zu erwähnen ist die "Stille Allarmierung", die einerseits den unaufhaltsamen Fortschritt des Feuerwehrwesens bestätigt um andererseits den enorm steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Sind es einerseits die Einsatzgeräte, die es ermögliche, rasche und gezielte Hilfe zu leisten, so sind es andererseits die Kameraden, die dies überhaupt ermöglichen. Laufende und intensive Schulungen an der OÖ Landesfeuerwehrschule, in der Feuerwehr intern und bei Übungen ermöglichen es, die vorhanden Einsatzmittel zielbewußt und richtig einzusetzen, um allen Gefahren standzuhalten und Einsätze erfolgreich zu tätigen. Waren ers früher die Brände, die die Feuerwher fast ausschlißlich beschäftigten, so sind es heute die technischen Einsätze bei Überschwmmungen, Verkehrsunfälle, Bergungen, Notstromversorgungen, Auslaufen giftiger Stoffe etc., die sich zu einem weiteren Hauptaufgabenfeld der Marktfeuerwehr entwickelten. Und jeder Feuerwehrmann weiß, daß er immer wieder um- und dazulernen muß, um den Tücken der Technisierung Paroli bieten zu können und damit die Pflicht der Nächstenhilfe zur Zufriedenheit der Mitbürger nachkommen kann. Mit diesem Vorsatz schreiten wir mit Elan und Willenskraft in die Zukunft, zum Wohle der Bevölkerung unserer Heimat.  

Quelle: Festschrift 110 Jahre Freiwillige Feuerwehr des Marktes Aurolzmünster 1986